Dichterin in einem wechselvollen Jahrhundert
Beim Frauenfrühstück am 19. März wurde die Balladen- Dichterin Agnes Miegel vorgestellt. Es ist bekannt, dass während des Großen Frauenfrühstücks eine interessante Frau vorgestellt wird. Sicher ist es für die Leser des Gemeindebriefs und die Frauen, die nicht am Frühstück teilnehmen konnten, interessant zu erfahren, wer Agnes Miegel war: Sie lebte von 1879-1964, wurde in Königsberg geboren und starb in Bad Salzuflen.Sie gilt als wohl bedeutenste Balladendichterin des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Vorfahren waren Kaufleute, Beamte und Landwirte aus Preußen, aus dem Oderbruch und dem Elsass, dem Rheinland und aus Salzburg. Nach dem Besuch der höheren Töchterschule in Königsberg wandte sie sich in Weimar der Literatur und der Geistesgeschichte zu. Für eine Frau der damaligen Zeit höchst ungewöhnlich. In einem Berliner Krankenhaus wurde sie Kinderkrankenschwester, ging dann als Erzieherin an ein Mädcheninternat bei Bristol, 1905 kam sie zurück nach Berlin und besuchte dort das Lehrerinnenseminar. Wegen der Krankheit ihrer Eltern kehrte sie nach Königsberg zurück und verbrachte dort die Jahre von 1906 bis 1945. Sie arbeitete als Journalistin und Schriftstellerin. 1916 erhielt sie den Kleist-Preis, 1924 die Ehrendoktorwürde an der Albertina.
1939 wurde sie Ehrenbürgerin von Königsberg und erhielt 1940 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. 1945 floh sie aus Königsberg nach Dänemark, 1946 fand sie Aufnahme in Schloß Apelern. Von dort zog sie 1948 nach Bad Nenndorf, wo sie 1954 Ehrenbürgerin wurde.
Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, das im Jahr 1933 - als die Bücher von Kästner, Brecht, Tucholsky, Mann, u.a. auf dem Opernplatz in Berlin verbrannt wurden - Agnes Miegel durch die Nazis zum Mitglied der Akademie der Dichtung berufen wurde. Die NS-Kulturgemeinde gründete 1936 eine Stiftung zur jährlichen Verleihung einer Agnes-Miegel-Plakette. Als Dank für soviel Ehre wurde Agnes Miegel Mitglied der NSDAP.
Es gibt Veröffentlichungen von Agnes Miegel, die eine Ehrung ihres Namens ausschließen und so gibt es Initiativen, die unter anderem die Umbenennung von Straßen und Schulen zum Ziel haben. Dennoch - Agnes Miegel hat zwei Weltkriege mitgemacht; und wahrscheinlich würde sie verstehen, wie jetzt vielen Menschen ums Herz ist, da wir kurz vor einem zweiten Golfkrieg stehen.
Die 39 Teilnehmerinnen des Frauenfrühstücks haben auf jedem Tisch eine Kerze für den Frieden angezündet und in ihrer Fürbitte der Zivilbevölkerung im Irak, der Soldaten, Mütter und Politiker gedacht und um den Frieden in unseren Herzen, Familien und der Gemeinschaften gebetet.
Ein reich gedecktes Frühstücksbüffet (jede Frau hatte etwas dafür mitgebracht) lud zum Schlemmen ein. Wir hatten allen Grund aus vollem Herzen zu singen "Lobe den Herren" und mit dem Vaterunser zu schließen.
Vielleicht mögen Sie sich den nächsten Termin 14. Mai für das Große Frauenfrühstück schon vormerken. Im April, am Mittwoch nach Ostern, gibt es auch wieder das Kleine Frühstück, das letzte im Februar soll sehr schön gewesen sein. (ibi, 20.03.03)
