Über Mörtelmix und Transportlogistik zum Prädikantendienst

Ernst-August Gausmann über seinen Weg zum Prädikanten.

In beruflich unruhiger Zeit fühlte ich mich im Gottesdienst geborgen. Ich fand hier einen Ort der Ruhe und des Losgelöstseins vom Alltagsgeschehen. Er hat mir gut getan, mir Kraft und Stärke für die Aufgaben und Anforderungen der neuen Woche gegeben.

Durch spätere Kirchenvorstandsarbeit sowie Mithilfe beim Küsterdienst entdeckte ich dann meine Liebe zum Gottesdienst, zu Liturgie und Predigt. Mein Interesse zum aktiven Mitmachen und Mitgestalten war geweckt. Mir wurde deutlich, Jesus Aufforderung: "Gehet hin in alle Welt und lehret... " ist eine Aufgabe für jeden.

Mein Wille, am Reich Gottes mitzubauen, führte mich so in die Lektoren- und Prädikantenarbeit. Lektoren und Prädikanten sind Christen, die als ehrenamtliche Mitarbeiter, nach entsprechender Ausbildung, im Dienst der kirchlichen Verkündigung stehen. In ihrem Dienst verwirklicht sich ein Teil des "Allgemeinen Priestertums" aller Gläubigen.

Die Chancen und Gaben eines solchen Dienstes liegen in der Berufs- und Lebenserfahrung, die Lektoren und Prädikanten in ihre Wortverkündigung einbringen. Nicht "steile" theologische Bibelauslegungen sind hier gefragt, sondern Textauslegungen, die einen Bezug herstellen zu der Welt in der wir leben - einfach und für jeden zu verstehen.

Lektoren und Prädikanten können so Brückenbauer zwischen Pastor und Gemeinde sein; Bindeglieder zwischen dem Priestertum aller Gläubigen und dem Amt der Verkündigung, weil sie die Wirklichkeit des Predigtdienstes mit Freude, Belastungen und Enttäuschungen unmittelbar miterleben.

Schlussendlich möchte ich sagen: Lektoren und Prädikanten sind keine Hilfspastoren und keine Lückenbüßer. Ihr Dienst versteht sich auch nicht als Konkurrenzveranstaltung zum Gemeindepastor. Es sind eben verschiedene Gaben und Aufgaben. Als Mitarbeiter können wir dazu beitragen, dass die Gemeindeglieder ihren Gottesdienst als Fest erleben und so dem Priestertum aller Gläubigen Gestalt und Leben geben.

Und die Frage "Warum machst du das?" will ich so beantworten: Unser Glaube ist etwas so unbeschreiblich Tolles, wovon man einfach erzählen muss. Ich möchte, dass auch andere Menschen diese Geborgenheit bei Gott erleben können, die Kraft und Stärke finden, die mir zuteil wurde. Die frohe Botschaft, das Evangelium weiterzugeben, das man selbst empfangen hat, ist für mich zu einer tief empfundenen Herzensangelegenheit geworden.
Ernst August Gausmann