Bericht vom Kirchentag in Hannover

„Wenn dein Kind dich morgen fragt ...“ – Unter diesem Motto stand der 30. dt. ev. Kirchentag vom 25.-29. Mai in Hannover. Zum vierten Mal bereits war der Kirchentag in der Landeshauptstadt zu Gast.

Zunächst waren wir auf unser Gemeinschaftsquartier für den Kirchenkreis Melle, einer Grundschule in Langenhagen, gespannt. Wie weit wird es bis zum Messegelände (das ehem. Expogelände!) und in die Innenstadt sein? Wir konnten schnell feststellen, dass die S-Bahnstation ganz in der Nähe war, die Wege ins pulsierende Kirchentagsleben somit relativ kurz. Und der Flughafen in unmittelbarer Nähe unserer Schule stellte auch kein Problem beim Schlafen dar. Erinnerungen an den Kirchentag in Frankfurt 2001 wurden schon wach, da wir damals mitten in einer Flugschneise schliefen und die Flugzeuge unsere nächtlichen Begleiter waren...

Eröffnet wurde der Kirchentag mit einem Eröffnungsgottesdienst. In ihrer Predigt brachte Frau Käßmann ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Deutschland ein familienfreundlicheres Volk wird und Kinder nicht zuallererst als Ökonomiefaktor betrachtet werden sollen.

Danach ging es traditionell mit dem „Abend der Begegnung“ in der Innenstadt weiter. An vielen Ständen boten Gemeinden und Einrichtungen aus Niedersachsen Kulinarisches und Originelles in vielfältiger Fülle. Die einzelnen Regionen in unserer Landeskirche und aus Niedersachsen stellten sich vor. Natürlich waren die heimischen Stände ein Treffpunkt, der nicht fehlen durfte. Und tatsächlich traf man dort auch viele Bekannte. So ein Kirchentag praktisch direkt vor der Haustür lud viele zu einem Kurzbesuch ein. Musik sorgte auf vielen Bühnen in der Stadt bei sommerlicher Wärme für Party-Atmosphäre. Um die Verpflegung bemühten sich zahlreiche Imbissstände mit einem reichhaltigem Angebot. Den gemeinsamen Abschluss des Abends bildete ein imposantes Lichtermeer aus Kerzen, die nach und nach entzündet wurden.

Die nächsten Tage begannen jeweils mit einer Bibelarbeit, gestaltet von Theologen und auch Laien. Persönlichkeiten aus Politik und des öffentlichen Lebens wagten sich an die Bibeltexte heran. Wann hat man schon Mal die Möglichkeit, eine Bibelarbeit aus Maleachi von Heinz Rudolf Kunze zu besuchen?

Das Thema „Wenn dein Kind dich morgen fragt...“ war überall zu sehen und zu hören. Hätten Sie übrigens gewusst, dass es sich bei dem Thema des Kirchentages um einen Vers aus 5. Mose 6 Vers 20 handelt? Ich vermutete dahinter zunächst einen allgemeinen Slogan und keinen Bibelvers. Dieser Satz sollte in seinem Kontext deutlich machen, wie wichtig es ist, seine Wurzeln zu kennen und die Gegenwart zu verstehen, um die Zukunft zu gestalten. Fragen ist mehr als das Warten auf Antworten. Bei einem so reichhaltigem Angebot auf einem Kirchentag mit unterschiedlichen Angeboten wie Konzerten, Kabarett, Diskussionsforen, Workshops, Vorträgen usw. ist es schon angebracht, sich vorher sein persönliches Programm zu entwerfen. Zum Gedankenaustausch mit anderen Teilnehmern boten sich zahlreiche Gemeindehäuser und sog. „Gute-Nacht-Cafes“ am Ende eines Tages an.

Wenn der Kirchentag auch durch die Hitze zeitweise zu einer „Saunaveranstaltung“ geriet, habe ich sehr schöne, interessante und intensive Tage erlebt. Die ca. 105.000 Dauerteilnehmer wurden von den Rednern immer wieder ermutigt, nicht in den allgemeinen Tenor der Verzweiflung und des Pessimismus einzustimmen, der bei uns momentan herrscht, sondern die Herausforderungen in unserem Land mit Mut gemeinsam zu bewältigen. Wer das Erlebnis Kirchentag noch nicht kennt, den kann und möchte ich ermutigen, beim nächsten Mal teilzunehmen. Er findet in 2 Jahren vom 6.-10. Juni 2007 in Köln statt. Seien sie mutig und fahren sie hin, es lohnt sich bestimmt.