1848 - Anfang in der Revolution
Als im Jahre 1848 die Revolution ausbrach, wurde auch unser Ort nicht verschont, einige waren sogar die ärgsten Anführer und gingen mit Gewehren nach einem benachbarten Gute und wollten es überfallen, wurden jedoch daran verhindert. Aber im Orte selbst und auch in der Umgegend war die Gottlosigkeit sehr groß.
Mit Kartenspiel und Saufgelagen
verbrachten sie die Zeit, große Hochzeiten und große Haushebungen
wurden gefeiert, die endeten aber meistens mit Schlägerei. Da kam
im Jahre 1849 die Erweckungszeit, da sahen die meisten ein, was für
ein Leben sie hinter sich hatten, da blieb kein Haus übrig, worin
nicht wenigstens einer war, der das verbrachte Leben bereuete und anfing
zu suchen, wo er seine Seligkeit finden konnte. ... (viele), gingen ...
oft sehr weite Wege, um eine gläubige Predigt zu hören.
Nun, bei solcher Gelegenheit haben sie denn im Ravensbergischen Posaunen
blasen hören, das ist ihnen dann vorgekommen wie Engelsmusik, und sind dann gleich
mit dem Vorsatz heimgekehrt, auch einen solchen Verein zu bilden. Aber woher
das erlernen? ... sie haben es in Gottes Namen gewagt und haben 6 Instrumente
angeschafft von der Höffertschen Handlung in Osnabrück, nämlich
2 Trompeten, 1 Klapphorn, 1 Tenorzugposaune und 2 Baßzugposaunen. Die
haben sie dann alle persönlich abgeholt.
Unterwegs aber hat die Neugierde ihnen keine Ruhe gelassen, sie haben sie ausgepackt
und probiert, was für Töne da wohl herauskämen, und merkwürdigerweise
hat Gott es so gelenkt, dass jedes Instrument, welches ein jeder genommen hatte,
zu seinem Ansatz am besten passte. Doch wie kümmerlich der Anfang war,
davon macht man sich heutzutage keinen Begriff. Sie kannten keine Noten, und
wo sie um Rat baten, bekamen sie meist kein Gehör, bis sie einen Lehrer
in Heithöfen darum baten, der lehrte sie das Notwendigste, sodaß am
24. Mai 1851 bei einer Haushebung in Brockhausen der Gesang: "Bis hieher
hat uns Gott gebracht" mit den Posaunen begleitet werden konnte.
Aber fleißig gebetet haben sie, sie sind jedesmal, wenn eine Uebung vorgenommen
wurde, auf die Knie gefallen und haben den lieben Gott gebeten, er möchte
ihnen die nötige Weisheit geben zur Erlernung des Blasens, und sie haben
jedesmal die Erhörung erfahren dürfen und haben dann fleißig
weiter geübt. Es sind freilich manchmal ähnliche Fälle vorgekommen
wie in Fischerhude, wo ein Helikonbläser seine Mutter buchstäblich
vom Stuhle geblasen hat. Aber der Eifer um die gute Sache hat nicht nachgelassen,
sodaß sie etwa 2 Jahre später weite Reisen zu Missionsfesten machten,
um mit anderen Chören mitzuwirken, aber auch um Gottes Wort zu hören.
Wenn ein Chor besucht wurde, waren sie so früh da, daß der Gottesdienst
nicht versäumt wurde. Der nächste Chor war etwa 5 - 6 Stunden weit
entfernt und Eisenbahnen gab es nicht, sie mußten alles zu Fuß abmachen.
Da haben sie denn unterwegs allerlei erlebt, an Schimpf und Spott hat es nicht
gemangelt, sogar mit Ermorden sind sie bedroht, nur weil geistliche Lieder
geblasen wurden und daß sie sich zu Gottes Wort hielten.
Nachher in den 70er Jahren besuchte der Chor öfters die Gottesdienste
der freien luth. Gemeinde in Schwenningdorf und Rotenhagen bei Bielefeld, besonders
wenn Superintendent Feldner und Rocholl da waren, da wurde denn mit Freuden
hingegangen. Damals war der Chor auch schon bis zu 12 Mann stark und hatte
inzwischen auch einen sehr musikalischen Mann gefunden, der dann auch zum Leiter
ernannt wurde, sodaß der Chor von da an gut mit anderen Chören wetteifern
konnte.
Einmal hat der Chor Geld für gutes Blasen erhalten. Es wurde nämlich
auf dem Gute Ahrenshorst eine Diamantenhochzeit gefeiert, dazu wurde der Chor
eingeladen, nach Beendigung der Feier zahlte der Gutsherr 1,50 Mk. pro Mann
für Blasen. Als aber gesagt wurde, der Chor bliese nicht für Geld,
wurde wiederum gesagt, nehmen müßte der Chor es, wenn er es nicht
nötig hätte für Instrumente, dann könnte er es sonst zu
einem guten Zweck verwenden.
So ist der Chor dann bis zum Jahre 1881 zusammen geblieben. Als aber die Separation
kam und hier mehrere Glieder austraten, da kam die Entscheidung. Sechs Bläser
traten aus, die anderen sechs blieben zurück. Nun mußte der Chor
wieder von neuem anfangen, jedoch die Instrumente waren da, die gehörten
dem Chor, aber keiner wagte zu sagen, daß sie einem bestimmten Chor gehörten,
so blieb es dabei, daß jeder dasjenige Instrument, welches er hatte,
behielt.
Nun fanden sich auch bald wieder neue Bläser, die dazukamen, daß die
Zahl wieder bis zu 12 Mann wuchs. Die nötigen Gaben waren reichlich vorhanden,
so wurde dann auch mit ganzem Fleiß und Eifer für die Musik gearbeitet.
Des Sonntags nach dem Gottesdienst wurde fleißig geübt und auf dem
Rückwege wurde immer geblasen und gesungen (der Kirchweg war eine Stunde
weit), daß der Weg einem vorkam wie Augenblicke."
Aus: Beiträge zur Geschichte der Posaunenchöre der selbst. ev.-luth. Gemeinde Rodenberg und der Hannov. ev. - luth. Freikirche.
Celle 1910
Bereitgestellt von Pastor Burckhard Zühlke, SELK Rabber-Blasheim